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  • Punkt, Pünktchen – verschwunden:  unter dem Radar

    Punkt, Pünktchen – verschwunden: unter dem Radar

    Punkt, Pünktchen – verschwunden: unter dem Radar

    Transphysikalischer Vortrag. Künste am Rande der Welt, Andreas Peschka geopoet

    Wir laden Sie herzlich ein zum performativen Vortrag von Andreas Peschka

    am 10. November 2017, Beginn 18:00 Uhr, im Literaturhaus Halle, Bernburger Str. 8, 06108 Halle (Saale).

    Andreas Peschka studierte in Münster Kunst und Philosophie. Er lebt und arbeitet in Lüneburg. Die Vorträge des Künstlers verstehen sich als Gedankenpool und als Einladung einander im anschließenden Gespräch zu begegnen.

    „Planetarien“ werden seit geraumer Zeit von „Universen“ übertrumpft, Wissenschaftsschauen, die extakt ins wissenschaftliche Standardmodell der Welt einführen. Wer hingeht, kommt rein: jeder ein Jonas in den Bauch der Welt. Versuchsleiter wie Hütchenspieler stehen an Tischen und halten auf Küchenexperimente reduzierte Vorträge, niederschwellig, kurz, verkraftbar.

    Hab ich mir gemerkt, mache ich auch. 

    Foto am 20.08.17 um 10.12

    Titelfoto: Hans Sendker

  • Nadine Adam (korrespondierendes Mitglied)

    freischaffende Künsterlin, Dozentin

    • 1980 geboren in Berlin
    • 1998 – 2004 Studium der Arabistik und Orientalische Philologie, Ethnologie, Deutsch als Fremdsprache an der Universität Leipzig
    • 2004 – 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 586: Differenz und Integration, Teilgebiet A3: Die Syrische Steppe, Universität Leipzig.
    • 2007 – 2013 Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Halle, Klasse: Bild / Raum / Objekt  / Glas. 
    • Seit 2014 als freischaffende Künstlerin und Dozentin tätig.

    cargocollective.com/nadineadam

  • Nadine Adam (korrespondierendes Mitglied)

    freischaffende Künsterlin, Dozentin

    • 1980 geboren in Berlin
    • 1998 – 2004 Studium der Arabistik und Orientalische Philologie, Ethnologie, Deutsch als Fremdsprache an der Universität Leipzig
    • 2004 – 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 586: Differenz und Integration, Teilgebiet A3: Die Syrische Steppe, Universität Leipzig.
    • 2007 – 2013 Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Halle, Klasse: Bild / Raum / Objekt  / Glas. 
    • Seit 2014 als freischaffende Künstlerin und Dozentin tätig.

    cargocollective.com/nadineadam

  • Besuch der Ausstellung Moderne II in der Moritzburg

    Besuch der Ausstellung Moderne II in der Moritzburg

    Am 19. September besuchte eine Gruppe von Akademiemitgliedern die neue Dauerausstellung zur Moderne nach 1945 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Besonderer Anlass war die dauerhafte Präsentation einer Arbeit unseres Akademiemitglieds Ute Lohse im Rahmen dieser Ausstellung.

    Ihre Arbeit „Sieben Module“, Ton, 2,5 x 0,5 x 0,5 m, 1992, wurde durch das Land Sachsen-Anhalt angekauft und dem Museum als Dauerleihgabe übergeben. In der Ausstellung Moderne II ist die Skulptur zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Ute Lohse arbeitet seit ihrem Studium an der Burg Giebichenstein (1964 -1971) als freischaffende Künstlerin in Halle. In ihren keramischen und architekturbezogenen Arbeiten untersucht sie das Wechselspiel von Räumlichkeit und Fläche und sucht nach formalen Ordnungsprinzipien die dem Gedanken einer universellen Ordnung hinter den Dingen entspringen.

     DSF4302

    Die neue Schau im oberen Westflügel der Moritzburg zeigt malerische und plastische Positionen im Umfeld Konkreter Kunst. So stehen dort nun Werke von Hermann Glöckner, Horst Bartnig, Karl-Heinz Adler oder Ludwig Erler im temporären oder dauerhaften Dialog mit Arbeiten von Imi Knoebel, Günther Förg oder Edda Jachens.

    Deutlich herausgearbeitet und auch im Zusammenhang mit der parallelen Dauerstellung Moderne I zeigt sich dabei die kunsthistorisch starke regionale Verankerung geometrisch-abstrakter Kunstauffassungen. Schon Theo van Doesburg als Schöpfer des Terminus „Art concrete“ wirkte in den zwanziger Jahren in Weimar, Dessau oder Halle und vertrat sein Paradigma im Zeichen von Reduktion und klarer architektonischer Konstruktion. 1929 erwarb der damalige Moritzburg-Direktor Alois J. Schardt ein Konvolut von 46 Werken des führenden russischen Konstruktivisten El Lissitzky. Auch Arbeiten des damaligen Bauhaus-Absolventen Fritz Winter wurden von Schardt noch in den dreißiger Jahren angekauft. Winter lebte zu diesem Zeitpunkt in Halle und stand in engem Austausch mit Erwin Hahs, der ebenfalls mit einer abstrakten Arbeit von 1932 in ‚Moderne I‘ vertreten ist.

    Obwohl nicht gegenständliche Kunst spätestens ab 1952 zu einem Schattendasein verdammt war, erweiterte die Moritzburg auch zu DDR-Zeiten die Sammlung konkreter und konstruktivistischer Positionen weiter. So gelangten Arbeiten von Glöckner, Bartnig, Adler oder Erler in den Bestand, der nach 1990 um weitere Leihgaben und Schenkungen ergänzt wurde.

    Wenige Monate nach dem Abschied von der Sammlung Gerlinger, so Moritzburg-Chef Bauer-Friedrich im August 2017 * , sehe sich das Museum „das erste Mal in der Geschichte der Moritzburg“ in der Lage, nun endlich die eigenen Sammlungen wirkungsvoll und angemessen präsentieren zu können.

    Dass mit der Ausstellung Moderne II zugleich eine gangbare Brücke in unsere künstlerische Gegenwart errichtet wird ist ein zumindest ebenso wesentlicher Aspekt dieser neuen Situation.

    * LR Online ,https://www.lr-online.de/nachrichten/kultur/moritzburg-startet-neue-dauerausstellung_aid-2548365

  • Besuch der Ausstellung Moderne II in der Moritzburg

    Besuch der Ausstellung Moderne II in der Moritzburg

    Am 19. September besuchte eine Gruppe von Akademiemitgliedern die neue Dauerausstellung zur Moderne nach 1945 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Besonderer Anlass war die dauerhafte Präsentation einer Arbeit unseres Akademiemitglieds Ute Lohse im Rahmen dieser Ausstellung.

    Ihre Arbeit „Sieben Module“, Ton, 2,5 x 0,5 x 0,5 m, 1992, wurde durch das Land Sachsen-Anhalt angekauft und dem Museum als Dauerleihgabe übergeben. In der Ausstellung Moderne II ist die Skulptur zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Ute Lohse arbeitet seit ihrem Studium an der Burg Giebichenstein (1964 -1971) als freischaffende Künstlerin in Halle. In ihren keramischen und architekturbezogenen Arbeiten untersucht sie das Wechselspiel von Räumlichkeit und Fläche und sucht nach formalen Ordnungsprinzipien die dem Gedanken einer universellen Ordnung hinter den Dingen entspringen.

     DSF4302

    Die neue Schau im oberen Westflügel der Moritzburg zeigt malerische und plastische Positionen im Umfeld Konkreter Kunst. So stehen dort nun Werke von Hermann Glöckner, Horst Bartnig, Karl-Heinz Adler oder Ludwig Erler im temporären oder dauerhaften Dialog mit Arbeiten von Imi Knoebel, Günther Förg oder Edda Jachens.

    Deutlich herausgearbeitet und auch im Zusammenhang mit der parallelen Dauerstellung Moderne I zeigt sich dabei die kunsthistorisch starke regionale Verankerung geometrisch-abstrakter Kunstauffassungen. Schon Theo van Doesburg als Schöpfer des Terminus „Art concrete“ wirkte in den zwanziger Jahren in Weimar, Dessau oder Halle und vertrat sein Paradigma im Zeichen von Reduktion und klarer architektonischer Konstruktion. 1929 erwarb der damalige Moritzburg-Direktor Alois J. Schardt ein Konvolut von 46 Werken des führenden russischen Konstruktivisten El Lissitzky. Auch Arbeiten des damaligen Bauhaus-Absolventen Fritz Winter wurden von Schardt noch in den dreißiger Jahren angekauft. Winter lebte zu diesem Zeitpunkt in Halle und stand in engem Austausch mit Erwin Hahs, der ebenfalls mit einer abstrakten Arbeit von 1932 in ‚Moderne I‘ vertreten ist.

    Obwohl nicht gegenständliche Kunst spätestens ab 1952 zu einem Schattendasein verdammt war, erweiterte die Moritzburg auch zu DDR-Zeiten die Sammlung konkreter und konstruktivistischer Positionen weiter. So gelangten Arbeiten von Glöckner, Bartnig, Adler oder Erler in den Bestand, der nach 1990 um weitere Leihgaben und Schenkungen ergänzt wurde.

    Wenige Monate nach dem Abschied von der Sammlung Gerlinger, so Moritzburg-Chef Bauer-Friedrich im August 2017 * , sehe sich das Museum „das erste Mal in der Geschichte der Moritzburg“ in der Lage, nun endlich die eigenen Sammlungen wirkungsvoll und angemessen präsentieren zu können.

    Dass mit der Ausstellung Moderne II zugleich eine gangbare Brücke in unsere künstlerische Gegenwart errichtet wird ist ein zumindest ebenso wesentlicher Aspekt dieser neuen Situation.

    * LR Online ,https://www.lr-online.de/nachrichten/kultur/moritzburg-startet-neue-dauerausstellung_aid-2548365

  • Apartment 11

    Apartment 11

    Liebe Freunde,
    wir laden euch herzlich in das Apartment 11 ein!

    Bis zu 4 Leute können täglich daran teilnehmen. Apartment 11 wird vom 1. Oktober bis 19. November 2017 täglich ab 15 Uhr in der Rosenstraße 11 (Halle/Saale) geöffnet sein.
    Die Anmeldung und weitere Informationen findet ihr auf dieser Seite: https://apartment11projekt.wordpress.com/
    Für Weitgereiste bietet Apartment 11 eine Übernachtungsmöglichkeit.
    Wir freuen uns auf euch! Anne und Lado

    Apartment 11 Erinnerungsort Georgien Tbilisi Sanzona

    Materialsammlung 1990 1999

  • Apartment 11

    Apartment 11

    Liebe Freunde,
    wir laden euch herzlich in das Apartment 11 ein!

    Bis zu 4 Leute können täglich daran teilnehmen. Apartment 11 wird vom 1. Oktober bis 19. November 2017 täglich ab 15 Uhr in der Rosenstraße 11 (Halle/Saale) geöffnet sein.
    Die Anmeldung und weitere Informationen findet ihr auf dieser Seite: https://apartment11projekt.wordpress.com/
    Für Weitgereiste bietet Apartment 11 eine Übernachtungsmöglichkeit.
    Wir freuen uns auf euch! Anne und Lado

    Apartment 11 Erinnerungsort Georgien Tbilisi Sanzona

    Materialsammlung 1990 1999

  • Hausbesuch

    Hausbesuch

    Es sind wertvolle Momente wenn Künstler aufeinander zugehen und über die Grenzen der eigenen Arbeit hinaus ein Gespräch beginnen.

    Das Angebot der Leitung der Halleschen Oper zu einer Begegnung traf auf die Neugier unserer Mitglieder, und so war es ein erwartungsvolles Kennenlernen in den Atelierräumen der Otto-Stomps-Straße am Vorabend der Fidelio-Premiere in Halle. Sehr schnell waren nach einem gegenseitigen Vorstellen gemeinsame Themen gefunden und die lebhaften Gespräche und Diskussionen zwischen Intendant Florian Lutz, seinen Kollegen Michael v. zur Mühlen, Ann-Kathrin Franke und Jeanne Bindernagel und den anwesenden Künstlern der Akademie zeigten, wie vielfältig die Grundlagen und Intentionen und wie gemeinsam die Motivationen sind.

    Das Wagnis gerade in Halle Musiktheater grundsätzlich zu befragen und um Möglichkeiten zeitgenössischen Theaters in einem Opernhaus zu ringen, ist ein ermutigendes Signal. Daß darüberhinaus die Intendanz des Hauses sich auf den Weg macht und das Gespräch sucht mit gleich und ähnlich gesinnten, aber durchaus auch gerade mit Kritikern dieses künstlerischen Umbruchs an der halleschen Oper, ist weit mehr als ein bloßes Signal. Es ist die Bekräftigung des Anspruchs aktiven Wirkens in der Welt.
    Der Impuls alles Zeitgenössischen ist immer Aufbruch. Die Formen in denen das geschieht sind allem Verharrenden und Bewahrenden oft fremd (Oper als Synonym für musikalische Denkmalpflege). Es muß daraus jedoch nicht zwingend Feindschaft entstehen, und Halle ist mit der Moritzburg ein hervorragendes Beispiel hierfür. Die Bewahr-Institution Kunstmuseum schwang sich im frühen 20.Jahrhundert für einen kurzen Moment ihrer Geschichte auf zum herausragenden Förderer und Partner solcher Aufbrüche.

    Vielleicht ist der derzeitige Versuch historische und zeitgenössische Stoffe aus einem gleichen Denken heraus, aus einem Reflektieren unserer Zeit zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen ein heutiger Beweis dafür, daß der kurze Moment Gegenwart auf Augenhöhe steht mit den künstlerischen Vorgängern in der Vergangenheit.
    Der Kerngedanke unserer Akademie ist das Gespräch von Künstlern aller Sparten miteinander auf der Basis gegenseitiger Kenntnis der Arbeit. Der Gedanke des Zeitgenössischen ist verbindendes Glied bei aller Unterschiedlichkeit. Und so danken wir dem Opernhaus für einen lebendigen und inspirierenden Akademie-Abend und für eine Gesprächseröffnung die uns ein Versprechen ist, welches es von beiden Seiten zu erfüllen gilt.

    01 DSF4261

  • Hausbesuch

    Hausbesuch

    Es sind wertvolle Momente wenn Künstler aufeinander zugehen und über die Grenzen der eigenen Arbeit hinaus ein Gespräch beginnen.

    Das Angebot der Leitung der Halleschen Oper zu einer Begegnung traf auf die Neugier unserer Mitglieder, und so war es ein erwartungsvolles Kennenlernen in den Atelierräumen der Otto-Stomps-Straße am Vorabend der Fidelio-Premiere in Halle. Sehr schnell waren nach einem gegenseitigen Vorstellen gemeinsame Themen gefunden und die lebhaften Gespräche und Diskussionen zwischen Intendant Florian Lutz, seinen Kollegen Michael v. zur Mühlen, Ann-Kathrin Franke und Jeanne Bindernagel und den anwesenden Künstlern der Akademie zeigten, wie vielfältig die Grundlagen und Intentionen und wie gemeinsam die Motivationen sind.

    Das Wagnis gerade in Halle Musiktheater grundsätzlich zu befragen und um Möglichkeiten zeitgenössischen Theaters in einem Opernhaus zu ringen, ist ein ermutigendes Signal. Daß darüberhinaus die Intendanz des Hauses sich auf den Weg macht und das Gespräch sucht mit gleich und ähnlich gesinnten, aber durchaus auch gerade mit Kritikern dieses künstlerischen Umbruchs an der halleschen Oper, ist weit mehr als ein bloßes Signal. Es ist die Bekräftigung des Anspruchs aktiven Wirkens in der Welt.
    Der Impuls alles Zeitgenössischen ist immer Aufbruch. Die Formen in denen das geschieht sind allem Verharrenden und Bewahrenden oft fremd (Oper als Synonym für musikalische Denkmalpflege). Es muß daraus jedoch nicht zwingend Feindschaft entstehen, und Halle ist mit der Moritzburg ein hervorragendes Beispiel hierfür. Die Bewahr-Institution Kunstmuseum schwang sich im frühen 20.Jahrhundert für einen kurzen Moment ihrer Geschichte auf zum herausragenden Förderer und Partner solcher Aufbrüche.

    Vielleicht ist der derzeitige Versuch historische und zeitgenössische Stoffe aus einem gleichen Denken heraus, aus einem Reflektieren unserer Zeit zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen ein heutiger Beweis dafür, daß der kurze Moment Gegenwart auf Augenhöhe steht mit den künstlerischen Vorgängern in der Vergangenheit.
    Der Kerngedanke unserer Akademie ist das Gespräch von Künstlern aller Sparten miteinander auf der Basis gegenseitiger Kenntnis der Arbeit. Der Gedanke des Zeitgenössischen ist verbindendes Glied bei aller Unterschiedlichkeit. Und so danken wir dem Opernhaus für einen lebendigen und inspirierenden Akademie-Abend und für eine Gesprächseröffnung die uns ein Versprechen ist, welches es von beiden Seiten zu erfüllen gilt.

    01 DSF4261

  • Ostdeutsches Klassentreffen im Tiergarten

    Ostdeutsches Klassentreffen im Tiergarten

    Ostdeutsches Klassentreffen im Tiergarten, Klaus Pankow

    „einmal fährt auf einem dampfer klaus schlesinger, eine veranstaltung des westberliner schriftstellerverbandes, klaus schlesinger steht an einer reling und wird gefragt, unvermittelt: bereuen sies? und klaus schlesinger sieht hin, wartet eine sekunde und sagt: das, das konnte ich ja nicht wissen.“ (Ronald M. Schernikau: Die Tage in L.)

    Buchpremiere am 8. Juni im Haus der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg:

    Präsentiert wird der Briefwechsel von Kurt Bartsch und Wasja Götze „In all dem herrlichen Chaos“. Der absonderliche Charme des Akademie-Betonbaus passt sehr gut zur Versammlung der 200 Gäste. Es ist ein Klassentreffen mit Patina. Fast alle kennen sich, großes Hallo, Umarmungen, Küsschen. Ob sich denn auch alle mögen, steht dahin. Einige Quoten-Wessis hat es auch in den Tiergarten verschlagen, Johano Strasser wird gesichtet. Insgesamt ist es aber eine Zusammenkunft ostdeutscher Provenienz.

    Irene Böhme hat den Briefwechsel des Berliner Dichters Kurt Bartsch (1937 – 2010) und des Hallenser Malers Wasja Götze (* 1941) aus der Zeit von 1982 bis 1989 herausgegeben und mit einem klugen Nachwort versehen. Der Mitteldeutsche Verlag in Halle (Saale) hat den Band gedruckt. Es ist eine sorgfältige, schön gearbeitete Ausgabe, vor allem die farbigen Repros der Malerbriefe Wasja Götzes sind ein Vergnügen.

    Bartsch und Götze lernen sich im Frühjahr 1972 in einer Berliner Bar kennen, der Berliner und der Sachse lieben sich wirklich inniglich, das wird schnell klar. Kurt Bartsch gehört 1976 zu den Unterzeichnern der Biermann-Petition und 1979 zu den Ausgeschlossenen aus dem Schriftstellerverband der DDR. 1980 wechselt er nicht nur die Straßenseite und reist nach West-Berlin aus. Die Freundschaft von Bartsch und Götze findet nun zwangsläufig in Briefen ihre Fortsetzung, keine nächtelangen Debatten um Gott, die Welt und die Frauen mehr, keine gemeinsamen Besäufnisse mehr, das ist hart. Der Inhalt ihrer Briefe kreist um Alltägliches, um Künstlertratsch und bei Wasja Götze permanent um gewünschte Ersatzteile für sein Rennrad. Am Morgen des 10. November 1989 steht dann Götze vor Kurt Bartschs Wohnungstür.

    Aber diese oft witzigen, ironischen Briefe sind nicht nur Zeitzeugnisse einer lang andauernden Freundschaft, sie machen auch die Unterschiede deutlich: Wasja Götze lebt in Halle, die Stadt zerfällt zusehends, viele Freunde stellen Ausreiseanträge, es wird still um ihn, der Markterfolg bleibt aus. Briefe aus der grauen Provinz. Kurt Bartsch hingegen lernt ein Stück Welt kennen, seine Berichte von Treffen mit Schriftstellerkollegen in Amsterdam (Saufen mit Betonung mit Adolf Endler!) und von diversen Theaterskandalen eigener Stücke sind großartig, irgendwie lebendiger als die Radsport-Reportagen von Wasja Götze.

    Das Treffen der Ehemaligen im Tiergarten zur Vorstellung dieses Briefwechsels war nostalgisch gestimmt, die selbstbewussten Gesten waren auch unehrlich. Sieger der Geschichte waren hier nicht vereint, siehe Klaus Schlesinger: „Das, das konnte ich ja nicht wissen.“

    Bartsch 0532 002 150 dpi
    Fotos:
    – Lesung am 08.06.2017 in der Akademie der Künste, Berlin, mit Martin Brambach und Michael Kind, Foto: Manfred Mayer
    – Kurt Bartsch und Wasja Götze, Juli 1992; Foto: Akademie der Künste / Inge Götze


    Kurt Bartsch/Wasja Götze: In all dem herrlichen Chaos. Briefe von 1982 bis 1989, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2017, 320 Seiten,, 24,95 €